Freitag, 12. Mai 2017

Stephan Harbort - Das Hannibal-Syndrom


rezensiert von Nicole am 09.05.2017

Titel: Das Hannibal-Syndrom – Phänomen Serienmord
Reihe: abgeschlossenes Buch
Autor: Stephan Harbort
Genre: Dokumentation/Studie/Tatsachenbericht
Verlag: Piper
Seitenanzahl: 352
Erscheinungsdatum: 01.02.2003
ISBN-10: 3492236502
ISBN-13: 978-3492236508
Bildquelle/Klappentext: http://amzn.to/2poUfSf
Dank Hollywood gilt Hannibal Lecter als Inbegriff des infernalischen Serienmörders. Doch wer sind diese Täter in der Wirklichkeit? Der Kriminalexperte Stephan Harbort hat zahlreiche von ihnen in ihren Hochsicherheitszellen besucht und interviewt, um Motivation, Tathergang und Täterprofil zu erforschen. Er befasste sich mit allen 75 deutschen Serienmördern seit 1945 -
eine aufschlussreiche und schockierende Dokumentation, aus der man viel über die Psyche solcher Täter erfährt.
Dieses Buch war mein erster Tatsachenbericht, sogar mein erstes freiwillig gelesenes Sachbuch überhaupt!

Ich fand den Gedanken toll, hinter die Fassade all dieser psychisch durchgedrehten Menschen zu blicken, von denen ich in meinen geliebten Thrillern so oft und gern lese.

Diesen Einblick habe ich dank Stephan Harbort definitiv erhalten! Sogar mehr als mir lieb ist!
Ich habe es unterschätzt, dass es einem ganz schön unter die Haut gehen kann, wenn einem bewusst wird, dass es sich hierbei ja um wirkliche Studien von absolut realen Menschen handelt und die Erzählungen in dem Fall echter nicht sein könnten!

Sicherlich könnten die Geschichten in den Psychothrillern, die ich lese auch alle genau so geschehen sein, sie könnten real sein und dessen bin ich mir auch bewusst, aber man schiebt in seinem „Inneren Ich“ immer noch jedes mal den Vorhang vor, wo drauf steht: „Du hast jetzt nur ein Buch gelesen – eine fiktive Geschichte und alles ist gut!“

Nach Stephan Harborts sehr tiefen und teils intimen Einblicken in die Psyche der Menschen, die so viel Grauen, Angst und Abscheu in der Welt verbreiten, bleibe ich nun aufgewühlt und leicht schockiert zurück … zu welch Gedanken und Taten ein Mensch wirklich fähig ist, es schwarz auf weiß in Form eines Interviews z.B. zu lesen, macht es realer, als man sich selbst eingestehen will.

Trotz alledem habe ich stellenweise sogar so etwas wie Mitleid mit den Tätern empfunden …
Ein eindeutiges Indiz dafür, wie detailgetreu, fesselnd und authentisch uns der Autor in die Welt der Serienmörder blicken lässt.
Stephan Harbort verflechtet sehr gekonnt seine beruflich gemachten Erfahrungen in Form von Statistiken, Täterprofilen, vielen Beispielen und Täter-Interviews miteinander, so dass sich das Buch verständlich und vor allem durchweg interessant lesen lässt!

Nicht zuletzt liegt das sicher daran, dass der Autor in der Ich-Perspektive schreibt und seine eigenen Gefühle und Gedanken mit den wissenschaftlichen Fakten kombiniert!

Mir war es alles in allem etwas zu viel Text, weniger ist manchmal mehr, das Ganze bei viel zu kleiner Schrift. Das hat das Lesen hin und wieder etwas erschwert.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass ich zukünftig meine fiktiven Psychothriller mit etwas anderen Augen lesen werde … weniger naiv und sie werden noch realer auf mich wirken.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar!
Für all diejenigen unter euch, die schon immer mal in die Seele eines Mörders blicken wollten und gut recherchierte Hintergrundinformationen zu den Täterprofilen erhalten möchten, bitte sehr, dieses Buch gibt euch einen tollen Einblick!

eure Nicole